„Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein“
Ein Satz, der heute mehr Gültigkeit hat den je. Geprägt aber vor über 200 Jahren. Der Mann, der diesen Satz seinen „Faust“ sagen lässt, hätte heute seinen 266. Geburtstag. Er hat den Olymp der Dichtkunst erklommen und Unsterblichkeit erlangt. Generationen lernten den „Osterspaziergang“ und Generationen werden ihn noch lernen. Dicher und Autoren werden an ihm gemessen.
Johann Wolfgang von Goethe
Wer war dieser Mann? Man kann wohl sagen er war sehr vielschichtig und begeisterte sich nicht nur für die Dichtung. In Deutschland gibt es wohl kaum einen Landstrich, in den er nicht einen Fuss gesetzt hat. Wo man hinkommt, trifft man auf seine Spuren.
Geboren wurde er in Frankfurt am Main, am 28.08.1749 als Sohn einer angesehenen Familie. Sein Vater war Jurist und auch seine Mutter entstammte aus einer wohlhabenden Familie. Im Hause Goethe wurde ein großer Wert auf eine umfassende Bildung der Kinder Wolfgang und Cornelia gelegt. zunächst besuchte der kleine Wolfgang eine öffentliche Schule, später wurden die Geschwister von sage und schreibe 8 Hauslehrern und dem Vater unterrichtet. Unterrichtet wurden Sprachen, Religion, Naturwissenschaften und Zeichnen, darüber hinaus lernte der junge Goethe das Klavierspiel, fechten und tanzen.
Mit 16 Jahren schickte der Vater den jungen Wolfgang zum Studium der Rechte nach Leipzig. Eine völlig neue Welt. Alsbald stellte er fest, das Jura nicht unbedingt seine Bestimmung zu sein schein. Sein Interesse galt den Künsten, dem Schreiben und Zeichnen. Dieser Neigung widmete er immer mehr Zeit und vernachlässigte daher sein Studium.
Und noch eine neue Erfahrung machte Goethe in Leipzig. Er lernte die Liebe kennen. Seine „erste Liebe“ war die Handwerkerstochter Kätchen Schönkopf. Die Romanze fand aber nach 2 Jahren ein einvernehmliches Ende. Eine Krankheit zwang Goethe zurück nach Frankfurt wo er sehr zum Ärger seines Vaters ohne akademischen Abschluss ankam.
Nachdem die Krankheit überwunden war, nahm Goethe seine Studien wieder auf, ging aber nicht zurück nach Leipzig, sondern setzte diese in Straßburg fort. Inzwischen etwas gereifter widmete er sich auch intensiv seinen Studien, dennoch blieb Zeit für das Knüpfen neuer Bekanntschaften und für die Dichtung. Die wohl wichtigste Bekanntschaft die er in Strassburg machte und die ihn in seinem Schaffen prägte, war Johann Gottfried Herder. Er brachte dem jungen Goethe die ganze Sprachgewalt von Homer oder Shakespeare erst richtig nahe.
Eine Bekanntschaft ganz anderer Art machte er mit der Pfarrerstochter Frederike Brion. Aber auch diese Romanze war nicht von Dauer, der Abschied kam per Brief und brach Frederike das Herz. Die Frederike gewidmeten Gedichte erlangten als „Sesenheimer Lieder“ Berühmtheit.
Zurück in Frankfurt sendete er mit einiger Verspätung seine Dissertation ein, welche die Theologien der Universität auf den Plan rief. Diese warfen dem jungen Mann eine skandalöse Haltung gegenüber der Religion vor. Die Dissertation wurde zurückgezogen, nachdem man Goethe einen niedereren Abschluss anbot. Hierzu waren nur ein paar Thesen notwendig in denen es u.a. um die Streitfrage ging, ob eine Kindesmörderin die Todesstrafe erhalten sollte. Ein Thema welches später in der Gretchenfrage im „Faust“ von Goethe wieder aufgegriffen wird.
In Frankfurt eröffnete er, wohl eher dem Vater zu gefallen, eine Anwaltskanzlei. Doch sein Interesse an der Juristerei hielt sich in Grenzen. Die Dichtkunst beschäftigte ihn immer mehr. Auf Druck des Vaters, begab sich Goethe als Praktikant an das Reichskammergericht. Große Begeisterung zeigte er auch hier nicht. Bei einem Besuch der Familie Buff, lernte er Charlotte, die Tochter des Hauses kennen und verliebte sich. Doch sein Werben blieb ungehört und Charlotte gab ihm zu verstehen, dass mehr als eine Freundschaft nicht möglich ist. Niedergeschlagen verließ Goethe kurz darauf Wetzlar und verarbeitete dieses und andere Erlebnisse in „Die Leiden des jungen Werther“. Mit diesem Buch traf er wohl den Nerv der Zeit, es wurde ein Bestseller und machte ihn über die Grenzen hinaus berühmt.
Die Begeisterung des Vaters über die Rückkehr des Sohnes hielt sich verständlicherweise in Grenzen. Die Karriere, die er sich für seinen Sohn wünschte ging den sprichwörtlichen Bach runter. Die nächsten Jahre verbrachte Goethe in Frankfurt. Diese waren von hoher Schaffenskraft geprägt. Es entstanden Werke wie „Prometheus“ oder „Clavigo“ .
In Frankfurt verlobte Goethe sich mit Lilly Schönemann, auch wenn er später sagte, er habe sie wahrhaft geliebt, erschreckte ihn der Gedanke an Hochzeit, hatte er doch etwas andere Vorstellungen vom Leben. So nahm er ein Angebot zu einer Reise in die Schweiz an. Während dieser Zeit wurde das Verlöbnis von Lillys Mutter mit der Begründung der Unvereinbarkeit der Religionen wieder gelöst. Und wieder litt der junge Mann. Doch ohne dass er es ahnte, mit einer Einladung an den herzoglichen Hof von Weimar, wurden Weichen für sein weiteres Leben gestellt.
In Weimar erlangte er schnell das Vertrauen des Herzogs, der nur wenige Jahre jünger war. Der Herzog wollte einen „Großen Geist“ an seinem Hof mit dem er sich schmücken konnte und Goethe war zu dieser Zeit ein über die Grenzen hinaus erfolgreicher Dichter. Doch wie hält man einen solchen Mann. Zunächst mit großzügigen Geschenken, wie z.B. das Gartenhaus im Park an der Ilm. Ein Angebot des Herzogs im Staatsdienst tätig zu sein nahm er an, wenn auch etwas zögerlich, band es ihn doch an einen Ort.
1776 wurder er zum Geheimen Legationsrat ernannt. Seine schriftstellerische Tätigkeit musste er erst einmal hinten anstellen. Er beschäftigte sich in seiner Position mit Bergbau, Wegebau und vor allem aber die Sanierung des Staatshaushaltes. Der Hofrat Bode weckte sein Interesse für die Freimaurerloge und Goethe bemühte sich bei einer Schweizreise bereits um Aufnahme. Gemeinsam mit Herzog Ernst August erhielt er den Meistertitel. Mit seinen fast 33 Jahren stand er nun auf dem Zenit, er war nach dem Herzog der mächtigste Mann in Weimar.
Dichterisch entstanden in diesen ersten Weimarer Jahren kleinere Werke für das höfischer Liebhabertheater, was Goethe aber eher als lästige Pflicht ansah, aber es entstanden auch Werke wie „Iphigenie auf Tauris“, „Egmont“, „Torquato Tasso“ oder „Wilhelm Meister“. Auch die Gedichte „Wandrers Nachtlied“ oder der „Erlkönig“ fallen in diese Zeit.
Mit dem Beginn der 1780er Jahre interessierte sich Goethe zunehmend auch für die Naturwissenschaften. Seine bevorzugten Gebiete: Geologie, Botanik, Mineralogie und Osteologie. Die Entdeckung des Zwischenkieferknochens gehört in die letztere Kategorie.
Die wohl bekannteste Beziehung Goethes, ist sein Verhältnis zu Charlotte von Stein. Sie die Frau des Oberstallmeisters und Hofdame, er der berühmte Dichter dem sie höfisches Verhalten nahe bringen konnte. Man kann wohl sagen, dass sie einander sehr zugetan waren, das Verhältnis aber eher platonischer Natur war. Eine Anekdote besagt, Frau von Stein hat ihn ein bestimmtes Gaubenfenster ihres Hauses eine Kerze gestellt und angezündet wenn der Oberstallmeister nicht im Hause war. Das Fenster war vom Gartenhaus einzusehen und wenn die Kerze brannte, war die Luft für einen Besuch rein. Nach seiner Italienreise und die Beziehung zu Christiane Vulpius kühlte das Verhältnis merklich ab und wurde nie wieder so herzlich wie zu Beginn.
Das sich Goethe nicht um Gerede und Konventionen scherte, zeigte seine Beziehung zu Christiane. Auch wenn er sich zunächst nicht formell zu seinem aus der Beziehung stammenden Sohn bekannte. Da der Herzog seine Zustimmung zu einem Zusammzug in Goethes Haus am Frauenplan verweigerte, das Haus wurde vom Herzog zur Verfügung gestellt, nahm er mit ihr eine Wohnung außerhalb der Stadt. Einige Jahre später stimmte der Herzog zu und Goethe erhielt das Haus per Schenkung. Mit der Heirat viele Jahre später machte er Christiane doch noch salonfähig.
Mit der Gründung des Hoftheaters übernahm Goethe die Direktion. Während seiner Zeit am Hoftheater schaffte es Goethe, das Theater zu einer der größten Bühnen zu machen . Nicht nur seine Werke wurden hier uraufgeführt, sondern auch die von Schiller.
Goethe und Schiller … während Goethe für Schiller ein Vorbild war, lehnte dieser Schiller zunächst ab. Goethe hatte „Die Räuber“ gelesen und fand das Werk zu revolutionär. Umso erstaunter war er, als er bei der Rückkehr aus Italien feststellen musste, dass Schiller sehr an Ansehen gewonnen hatte und inzwischen als Professor an der Universität in Jena lehrte, sozusagen in seiner direkten Nachbarschaft. Auch ihre erste Begegnung, organisiert von Schillers späterer Frau Charlotte von Lengefeld, ließ eine spätere Freundschaft der beiden nicht wirklich vermuten.
1794 bat Schiller Goethe dem Herausgeberkreis seiner Zeitschrift „Die Horen“ beizutreten, was Goethe auch tat. Der Kontakt zwischen den Beiden nahm zu. Im Laufe der Zeit inspirierten sich beide durch Gespräche, Diskussionen, Anregungen oder Erörterungen zu weiteren Werken. So beeinflusste Goethe Schiller z.B. beim „Wallenstein“, im Gegenzug bat Goethe Schiller ihn bei seinem „Wilhelm Meister“ Roman zu unterstützen. Was Schiller auch tat. Es ist die Zeit der „Weimarer Klassik“. Gemeinsam veröffentlichten sie Spottverse in den „Xenien“ oder schrieben für den „Musen-Almanach“.
Ein ganz besonderes Jahr ist 1797, es ist das sogenannte Balladenjahr. In diesem Jahr erschienen ihre Bekanntesten Balladen, „Der Zauberlehring“, „Die Kraniche des Ibykus“, „Die Braut von Messina“, „Der Taucher“ oder „Der Handschuh“ um nur einige zu nennen.
Schiller zog nach Weimar und bewohnte mit seiner Familie ein Haus an der Esplanade. Schillers Tod 1805 stürzte Goethe in eine Sinnkrise. Er muss sich gefühlt haben, als hätte er einen Teil von sich verloren. Mit dem Tod Schillers endete auch die Zeit der „Weimarer Klassik“.
In seinen späten Jahren veröffentlichte er noch den Roman „Die Wahlverwandschaften“ und begann mit seinem autobiographischen Werk „Aus meinem Leben – Dichtung und Wahrheit“. Eine große Hilfe war ihm beim ersten Band Bettina von Arnim die Kindheitsaufzeichnungen seiner Mutter besaß. Doch nach einem Streit zwischen den beiden Frauen Bettina und Christian, brach Goethe mit Bettina von Arnim.
Gemeinsam mit Christoph Martin Wieland begegnete er Napoleon auf dem Fürstenkongress in Erfurt und noch einmal, wieder mit Wieland, auf einem Hofball. Gemeinsam wurden beide zu Rittern der Ehrenlegion geschlagen. Napoleon faszinierte Goethe für den Rest seines Lebens.
In Teplitz traf Goethe auf Beethoven, von dem er sehr angetan war. Dieser hatte zu dieser Zeit bereits mehrere Gedichte Goethes vertont und die Ouvertüre zum Trauerspiel „Egmont“ geschrieben. Die Partitur hat er Goethe respektvoll zukommen lassen.
Als Christiane im Sterben lag, lenkte er sich, wie schon bei Schillers Tod, mit Arbeit ab. Selbst seine Jugendliebe Charlotte Buff, verw. Kestner konnte ihn nicht mehr aufheitern.
Während eines Kuraufenthaltes in Marienbad lernte er Ulrike von Levetzow kennen. Ein Jahr darauf traf man sich wieder in Marienbad und Goethe machte ihr doch tatsächlich einen Antrag. Dieser wurde höflich abgelehnt und von da an gab e für Ihr nur noch die Arbeit. So nahm er die Arbeit am zweiten Teil des „Faust“ wieder auf. Allerdings schrieb er nun nicht mehr selbst, sondern diktierte nur noch.
Am 22. März 1832 starb der wohl größte Dichter. Seine letzen Worte „Mehr Licht“ sind nicht belegt, da sich zwar sein Arzt in der Nähe befand, aber in diesem Moment nicht im Zimmer war.
„Verweile doch, du bist so schön, es kann die Spur von seinen Erdentagen nicht in Äonen untergehen. Im Vorgefühl solch hohen Glücks, genieß‘ ich jetzt den schönsten Augenblick“ (Faust II)
A.
G
