Eine Thüringerin am fränkischen Hof

Geboren wurde sie wahrscheinlich um 518 in Thüringen, wo genau ist nicht bekannt. Sie war die Tochter König Berthachar oder auch Berthar. Ja, Thüringen war einmal ein Königreich.

Ihre Mutter starb früh und als auch ihr Vater starb kam die Prinzessin Radegunde an den Hof des Nachfolgers und Bruder Ihres Vaters, Herminafried. Die Christianisierung hatte sich in Thüringen noch nicht durchgesetzt und so wurde Radegunde sicherlich in heidnischen Glauben erzogen.

Als Herminafried die Schlacht an der Unstrut verlor, wurden Radegunde und ihr Bruder gefangen genommen und nach Neustrien ins königliche Athies verschleppt. Am Hof König Clothar’s I. wurde sie wahrscheinlich christlich erzogen und erlernte auch die lateinische Sprache sowie lesen und schreiben. Sie las christliche Schriften und die Werke weltlicher Dichter. Sie wurde stark im Glauben und nahm sich der Pflege und Unterweisung bedürftiger Kinder an.

Um 540 setzte Chlothar sich in den Kopf Radegunde zu ehelichen, natürlich spielte Ihre Meinung dabei keine Rolle. Radegunde floh, wurde aber ergriffen und musste sich in ihr Schicksal fügen. Geheiratet wurde in Vitry. Zwar erfüllte sie ihre Aufgaben als Königin, aber den ehelichen Pflichten entzog sie sich. Aber das Paar adoptierte ein Mädchen namens Agnes, welches später Abtissin im Kloster von Poitier wurde , welches von Chlothar für Radegunde gestiftet wurde.

Radegunde lebte selbst am Hof asketisch, verzichtete auf Fleisch und ernährte sich hauptsächlich von Gemüse. Sie widmete sich der Pflege von Kranken und Bedürfigen und bat den König nicht selten um Gnade für zum Tode Verurteilte.

Als es 555 zum Aufstand der Thüringer und Sachsen kam, ließ Chlothar Radegundes Bruder hinrichten. Darüber war Radegunde so entsetzt, dass sie den König verließ. Eine offizielle Trennung oder Scheidung ist nicht überliefert.

Ihre Flucht führte sie nach Noyon, wo sie von Bischof Menardus zur Diakonin geweiht wurde. Das königichliche Gewand überließ sie der Kirche und ihre Besitztümer verschenkte sie an Bedürftige. Ihre Flucht führte sie schließlich nach Poitier. Natürlich wollte Chlothar die Flucht seiner Frau nicht akzeptieren und verfolgte sie. Bischof Germanus von Paris schaltete sich ein und bat den König die Verfolgung einzustellen. Dieser wiederum bat den Bischof, zu Radegunde zu reisen und in seinem Namen um Verzeihung zu bitten und um ihr ausrichten zu lassen, dass er gewillt ist, ihre Pläne einer Klostergründung zu unterstützen, wenn sie zu ihm zurück käme.

558 gründete Radegunde mit Chlothars Unterstützung  das Kloster Sainte-Marie-hors-les Murs, zu Poitier. Vergeblich hatte Chlothar auch weiterhin versucht, Radegunde zur Rückkehr zu bewegen. Das Kloster stellte er unter seinen dauerhaften Schutz. Radegunde blieb nicht untätig, so folgten viele junge Mädchen ihrem Aufruf, dem Kloster beizutreten. Es war übrigens das erste Frauenkloster in Europa. Wer nun denkt, naja, als Äbtissin hat sie es sicherlich auch nicht schlecht getroffen, irrt. Sie setzte nämlich ihr Ziehtochter als Äbtissin ein. Radegunde selbst fühlte sich eher zu niederen Diensten berufen. Sie übernahm die Krankenpflege und wusch auch Arme und Aussätzige selbst.

Mit dem Tod Chlothars ging das Reich an seine vier Söhne, sprich, es wurde aufgeteilt. Auch von diesen ließ sich Radegunde den Schutz und Fortbestand des Klosters zusichern. Weiteren Schutz erhielt sie von den Bischöfen Galliens.

Ein weiterer Wahrer der Interessen des Klosters war der Dichter Venantius Fortunatus, der auf seinen Reisen und in Briefen sich für das Kloster einsetzte und ein enger Freund und Vertrauter Radegunds wurde. Als diese dann den byzantinischn Kaiser um einen Splitter vom Kreuz Christi bat, wurde diese Bitte gewährt. Als sie den Splitter erhielt benannte sie das Kloster in Abtei vom Heiligen Kreuz um.

Als Radegunde am 13,August 587 starb, wurde sie natürlich in der Klosterkirche bestattet.

Fortunatus verfasste ihre Lebensgeschichte und auch eine Nonne des Kloster schrieb diese auf. Frühzeitig setzte eine Heiligenverehrung ein die dazu führte, dass Radegunde im 9. Jahrhundert heilig gesprochen wurde.

Nach der Schändung des Grabes durch die Hugenotten konnte aber ein Teil der Reliquien erhalten bleiben. Einige ihrer Gebeine wurden durch die Hugenotten verbrannt. Heute ist ihr Grab ein Wallfahrtsort.

Noch heute gibt es viele Kirchen die der heiligen Radegunde geweiht sind, die meisten davon in Frankreich, in Deutschland sind es nur 2, die Radegundiskapelle in der St. Lukas-Kirche in Mühlberg/Thüringen sowie die Kirche Johannis und Radgundis in Wiefelstede/Niedersachsen.

 

 

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