Er ein Professor der Theologie, sie seine brillante Studentin – Abaelard und Heloise.
Sie sind wohl das berühmteste Liebespaar des Mittelalters und anders als Tristan und Isolde, haben sie tatsächlich existiert. Wer waren diese beiden Menschen, denen zu Lebzeiten ein Zusammenleben nicht vergönnt war, der Tod sie aber wieder vereinte.
Abaelard, wahrscheinlich um 1079 in LePallet geboren, war ein bedeutender Theologe und Philosoph, er lehrte in Paris Theologie, Logik und Dialektik. Von seinen Studenten wurde er außerordentlich verehrt. Er war seiner Zeit sicherlich voraus.
Heloise wurde wahrscheinlich um 1100 in der Loire-Region geboren und entstammt einer wohl angevinischen Adelsfamilie. Heloise wurde bereits sehr früh, wahrscheinlich sogar im Kleinkindalter zur klösterlichen Erziehung in ein Nonnenkonvent, Notre-Dame-d’Argenteuil gesteckt und oblag dort der Aufsichtspflicht ihres Onkels Fulbert, der zum Subdiakon von Notre-Dame aufgestiegen war.
Jahre später berief Fulbert Abaelard zum Privatlehrer seiner Nichte Heloise. Die junge Dame war hochinteressiert an allen geistigen Dingen, was wohl auch in ihrer klösterlichen Ausbidlung in jungen Jahren lag.
Schnell fühlten sich die beiden zueinander hingezogen. Es verband sie mehr, als das bloße Interesse an Wissen. Abelaerd beschreibt es selbst sehr schön: „… über den offenen Büchern ließen wir mehr Worte über die Liebe als über die Lesung fallen.“
Die Beziehung vertiefte sich und es kam was kommen musste. Heloise wurde schwanger. Die Beziehung der beiden konnte nun auch ihrem Onkel Fulbert nicht mehr verborgen bleiben. Abaelard entführte Heloise und brachte sie zu seiner Familie nach LePallet. Dort brachte sie einen kleinen Jungen zur Welt, welchem sie den Namen Astralabius gab.
in der Zwischenzeit betrieb Abaelard Schadensbegrenzung und einigte sich mit Fulbert, Heloise zu heiraten. Was Heloise davon hielt drückt sie in einem Brief deutlich auch „… ich rufe Gott als Zeugen an, wenn mich Augustus, der Herrscher der ganzen Welt, der Ehre einer Ehe für würdig hielte, und er mir den Besitz der ganzen Erde für immer bestätigte, so erschiene es mir lieber und würdiger, Deine Dirne als seine Kaiserin genannt zu werden (Heloïsa, Brief II)“. Die Ehe wurde dennoch heimlich geschlossen.
Allerdings schien Fulbert nicht ganz zufrieden mit diesem Arragnement, soll er die Ehe sogar öffentlich gemacht haben. Heloise überwarf sich daraufhin mit Fulbert, der sie wohl nun auch zunehmend unter Druck setzte. Abaelard schickte Heloise daraufhin in das Kloster Notre-Dame-d’Argenteuil zu ihrer Sicherheit. Dies wiederum betrachtete Fulbert als Verrat und schickte gedungene Söldner zu Abaelard und ließ ihn entmannen.
Abaelard überlebte und trat ins Kloster St. Denis ein. Heloise bat er das Gelübde abzulegen. Sie blieb solange in d’Argeneuil, bis der Konvent durch Abt Sugar von St. Denis aufgelöst wurde. In dieser Zeit wurde der Kontakt zu Abaelard auch wieder stärker.
Durch seine Schriften machte Abaelard sich nicht gerade beliebt. Sein Ruf war immer noch groß, er lehrte auch wieder, aber er machte sich Feinde. Diese sorgen dafür, das er einige Schriften öffentlich verbrennen musste. Auch in St. Denis machte er sich mit einem Streit um die Identität des Klosterpatrons keine Freunde.
Abaelard ging in die Champagne und gründete dort eine Einsiedelei mit Oratorium. Dies weihte er dem Paraklet. Seine Studenten folgten ihrem Professor auch dorthin.
Um weiteren Anfeindungen zu entgehen ließ er sich in einem abgelegenen Kloster in der Bretagne nieder und wurde dort zum Abt gewählt. Ungefähr um diese diese Zeit fand auch die Vertreibung der Nonnen aus ihrem Konvent statt.
Abaelard überließ Heloise und ihren Nonnen Paraklet, welches sie zunächst als Priorin und später als Äbtissin aufbaute und leitete. Abaelard betreute das Konvent geistlich. Er schrieb ihnen Hymnen und stellte die Ordensregeln auf. In seinem Kloster in der Bretagne gelang ihm das nicht, im Gegenteil, es brachte die dortigen Mönche gegen ihn auf und er musste sogar um sein Leben bangen.
Heloise hatte hingegen eine glücklichere Hand. Sie konnte das Kloster stetig erweitern, so dass es mehrere Prioreien sein eigen nannte. Abaelard verließ sein Kloster, ging wieder zurück nach Paris und lehrte dort auch wieder.
Das Abaelard nun wieder zurück war, blieb auch Bernhard von Clairveaux nicht verborgen. Dieser bezeichnete einige Schriften Abaelards als häritisch. Einigungsversuche scheiterten und Bernhard von Clairveaux klagte Abaelard auf dem Konzil von Sens der Häresie an. Abaelard wandte sich an den Papst, doch dies führte nur zu einer Verurteilung zu Klosterhaft in ewigen Schweigen. Seine Schriften wurden öffentlich in Rom verbrannt.
Als Abaelard erkrankte suchte er Zuflucht im Kloster Cluny, mit dessen Abt, Petrus Venerabibils ihn eine Freundschaft verband. Dieser schaffte es sogar, eine Aussöhnung mit Bernhard von Clairveaux herbeizuführen, was dazu führe, dass Abaelard in Cluny verbleiben durfte. Wenige Monate später verstarb Abaelard, am 21. April 1142.
Und Heloise? Ihr Kloster wurde 1131 unter direkte päpstliche Leitung gestellt. Als sie vom Tod Abaelard erfuhr, bat sie Petrus Venerabilis um die Überführung der Gebeine des Mannes, den sie Zeit ihres Lebens geliebt hat. Der Abt kam ihrer Bitte nach und Abaelard wurde im Paraklet-Kloster beigesetzt. Heloise überlebte den Geliebten um 22 Jahre, und als sie 1164 starb bestattete man sie auf ihren Wunsch hin neben ihm.
Das Kloster bestand bis zur französischen Revolution, dann wurde es geschlossen und zerstört. Jahre nach den Wirren der Revolution bettete man die spärlichen Überreste von Abaelard und Heloise um. Sie ruhen heute in Paris auf dem Friedhof Pere Lachaise unter einen neogotischen Grabmal.
