Artemisia Gentileschi – Malerin

Sie war wohl eine der berühmtesten Malerinnen ihrer Zeit in einer von Männern dominierten Welt. Das Licht der Welt erblickte sie in Rom, am 08. Juli 1593 als Tochter des Malers Orazio Gentileschi. Dieser erkannte bereits früh das Talent seiner Tochter ihm nicht nur Modell zu stehen, sondern für die Malerei. Er unterrichtete und förderte dieses Talent Artemisias.

Um sie auch in der Perspektive der Malerei zu unterrichten, schickte er seine Tochter zu Agostino Tassi, einem Freund und Malerkollegen. Auch dieser erkannte wohl ihr Talent, hatte aber wohl eher Interesse an ihr, als an ihrem malerischen Können und vergewaltigte sie.

Um sich das Schweigen ihren Vaters zu versichern, versprach er die Ehe, hielt sich allerdings nicht an sein Versprechen. Wahrscheinlich hatte er bereits eine Frau. Artemisias Vater verklagte Tassi daraufhin, wahrscheinlich nicht wissend, was er seiner Tochter damit antat. Tassi war ein angesehener Mann, Artemisia nur eine Frau, von der Tassi nun behauptete, sie würde ihren Körper verkaufen. Alles zur Rettung seiner eigenen Haut.

Artemisia wurde nun einer Tortur unterzogen die völlig entwürdigend war. Am Ende wurde Tassi verurteilt, doch nicht nur wegen Vergewaltigung, sondern hauptsächlich wegen Diebstahl. Ihren Ruf stellte diese Verurteilung dennoch nicht wieder vollständig her, da half auch die Heirat mit dem Malter Stiattesi nichts. Sie verließ Rom in Richtung Florenz.

Nach Florenz zu gehen war für Artemisia die wohl beste Entscheidung. Als erste Frau wurde sie 1616 in die Academia dell’Arte dell Disegno, der ersten Akademie für Malerei in Europa, aufgenommen.

In Florenz pflegte Artemisia einen illustren Bekanntenkreis aus Malern, Dichtern und anderen Persönlichkeiten ihrer Zeit, dazu gehörten u.a. Gallileo Gallilei oder Michelangeno Buanarotti der Jüngere, ein Neffe Michelangelos. Florenz tat ihr gut und machte sie bekannt. Sie malte für die Medici und wurde von Cosimo II, Großherzog der Toskana gefördert. Sie wurde Mutter von zwei Töchtern und malte wohl um diese Zeit ihr wohl berühmtestes Bild „Judith enthauptet Holofernes“.

Über zehn Jahre, nachdem sie Rom verlassen hatte kehrte sie nun als Berühmtheit zurück. Sie hatte bereits Auftraggeber in Rom, darunter auch Kardinal Barbarini. Doch es hielt sie auch hier nur ein paar Jahre, bevor Sie dem Ruf Neapels folgte. Neapel war zu dieser Zeit eine Metropole, größer als Rom mit vielen Möglichkeiten. In Neapel eröffnete sie eine Werkstatt, sie erhielt sogar höhere Honorare als ihr männlichen Kollegen, was für an hohes Maß an Anerkennung spricht.

Mitte der 1630er Jahre erhielt sie eine Einladung an den englischen Hof Karl’s I, an dem bereits ihr Vater als Hofmaler arbeitete. Dieser war inzwischen gesundheitlich angeschlagen und so folgte sie der Einladung um ihren Vater zu unterstützen. Gemeinsam arbeiteten sie an einem Deckengemälde in Queen’s House in Greenwich, welches ihr Vater bereits begonnen hatte. Oarazi Gentileschi starb bald darauf.

Artemisia kehrte nach Neapel zurück und fand auch dort wieder einen Förderer ihrer Malerei. Doch auch eine berühmte Malerin wie Artemisia Gentileschi wird nicht jünger. Ihre Gesundheit machte ihr immer mehr zu schaffen, so dass ihre letzten Jahre nicht nur von gesundheitlichen sondern auch von finanziellen Nöten geprägt waren. Sie starb in Neapel um 1652/53.

Zu Lebzeiten war sie eine Berühmtheit, nach ihrem Tod geriet sie in Vergessenheit. Erst im Zuge der Frauenbewegung in den 1960er Jahren erinnerte man sich ihrerer wieder und verhalf einer bemerkenswerten Frau und großartigen Malerin zu neuer Blüte.

Ihr wohl berühmtestes Bild, Judith enthauptet Holofernes, ist in Neapel, im Museo di Capodimonte zu bestaunen, eine spätere Version hängt in den Uffizien von Florenz . Über diesen Link gelangt ihr ebenfalls auf das Bild.: https://www.uffizi.it/en/artworks/judith-beheading-holofernes

Wer mehr über Artemisia lesen möchte, dem empfehle ich das Buch „Die Malerin“ von Susan Vreeland.

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