
Vor 514 Jahren, am 18.04.1506 wurde der Grundstein zu einem der bedeutendsten Gebäude der Renaissance gelegt – dem Petersdom wie wir ihn heute kennen. Ein Bauwerk, dass den Betrachter auch heute noch in ehrfürchtiges Staunen versetzt.
Als am 01. November 1501 Guiliano de la Rovere zum Papst gewählt wurde, hatte er bereits ehrgeizige Pläne. In die Geschichte ging er als Julius II ein, als Kriegerpapst und Kunstliebhaber. Er schaffte es die großen Künstler seiner Zeit um sich zu versammeln und mit seinen ehrgeizigen Plänen zu beauftragen. An der Stelle, wo die aus dem 4. Jahrhundert stammende Basilika Sankt Peter oder auch Alt-Sankt Peter stand, wollte er einen Neubau errichten. Die alte Basilika war inzwischen etwas baufällig geworden, aber wahrscheinlich wurde sie seinen großen Plänen für sein Grabmal auch nicht gerecht.
1503 wurde bereits mit der Abtragung des westlichen Teiles von Alt-St.-Peter begonnen, stehen blieben nur das Langschiff und die Apsis über dem Petrusgrab. Die ersten Entwürfe und der Grundriss des Neubaus in Form eines griechischen Kreuzes stammen von Donato Bramante, der auch bis zu seinem Tod als erster Bauleiter fungierte. Von Bramantes Ideen für die neue Basilika blieb am Schlus die große, von vier mächtigen Säulen getragene Kuppel.
Nach dem Tod Bramantes übernahm ein weiterer großer Künstler, der bereits zu Lebzeiten Kultstatus besaß, die Bauleitung – Raffael Santi. Da Raffael auch mit der Malerei in den Gemächern des Papstes (heute als die Stanzen des Raffael bekannt) mit seinen Schülern betraut war, hatte er auch für die Bauleitung Assistenten, Guiliano da Sangallo und Fra Giovanni Giocondo. Beide waren auf der Baustelle nicht unbekannt, da Giocondo bereits Bramante in seinem letzten Jahr unterstützte und auch Sangallo im Jahr des Spatenstichs Pläne vorlegte. Beide verließen die Baustelle aber kurz nach der Übernahme Raffaels. Dieser ernannte daraufhin Antonio da Sangallo d.J., einen Neffen von Guiliano da Sangallo, als seinen zweiten Architekten. Leider war Raffael kein hohes Alter vergönnt, er starb mit nur 37 Jahren.
Raffaels zweiter Architekt, Antonio da Sangallo d.J. übrnahm nun das Zepter auf der Baustelle. Sein Stellvertreter wurde Baldassare Peruzzi. Unter diesen Beiden wechselte der Grundriss immer wieder zwischen griechischem und lateinischem Kreuz. Der Bau selbst kam nur langsam voran. In seinen letzen Lebensjahren arbeitete Sangallo an einem Modell seines letzten Entwurfes für die Kathedrale.
Aber auch Sangallo d.J. lebte nicht ewig und kein geringer als Michelangel Buonarroti wurde der nächste Baumeister. Dieser erstritt sich zunächst die Unabhängigkeit der Bauhütte, der alle seine Vorgänger unterstellt waren. Michelangelo orientierte sich wieder an den Plänen Bramantes und auf ihn ist auch der Bau der Riesenkuppel zurückzuführen. Ihre Fertigstellung sollte er aber leider auch nicht mehr erleben. Sie wurde 1591 durch Giacomo della Porte fertiggestellt. Michelangelos Nachfolger befolgten seine Pläne weitestgehend, mit kleinen Abweichungen.
1605 war der Bau soweit fortgesumchritten, das man nun an das noch stehende Langschiff von Alt-St.-Peter stieß. Es galt nun zu entscheiden, integrieren oder abreißen. Man entschied sich für Letzteres.
Und wieder gab es neue Entwürfe für den Bau. Federführender Architekt war Carlo Maderno, dem wir u.a. die wunderschöne barocke Fassade zu verdanken haben. Leider verdeckt die Fassade aufgrund ihrer Höhe die Kuppel, wenn man auf dem Petersplatz steht. Dieser Umstand wurde bereits von Zeitgenossen kritisiert. Links und Rechts wurde noch ein Glockenturm geplant.
Um die Aufmerksamkeit auf das Grab Petri zu richten, wurde durch Gian Lorenzo Bernini ein Baldachin aus Bronze über dem Grab errichtet, 29m hoch. Die Bronze kam aus dem Pantheon, Papst Urban VIII ließ dort die aus Bronze bestehenden Kassetten abnehmen.
Am 18.November 1626 wurde der Peterdom durch Papst Urban VIII feierlich geweiht. Bernini, der die Nachfolge von Maderno angetreten hatte, wurde mit der Fertigstellung der Glockentürme beauftragt, seine Entwürfe waren für die Fundamente aber zu schwer und mussten wieder auf ihre Ursprungshöhe abgetragen werden. Nach diesem Debakel befasste sich Bernini nur noch mit der Ausgestaltung des Petersplatzes. Ihm sind z.B. die wunderschönen Kolonnaden zu verdanken.
Interessanterweise ist der Petersdom aber nicht die Kathedrale des Bistums Rom noch der ranghöchste römisch-katholische Kirchenbau. Dies ist die Lateranbasilka im Zentrum Roms.
Ein Buchtipp zu diesem Thema: Sebstian Fleming, Die Kuppel des Himmels



