„Die Größe, die Du suchst, wird Dich erdrücken“ – lässt Shakespeare Henry IV zu seinem Sohn sagen. Ein Zitat, das sowohl auf Henry V, als auch auf Henry VI zutrifft. Während der angesprochene Sohn die Größe noch zu Lebzeiten erreichte und auf den Kontinent längst verlorene Gebiete zurück eroberte, wurde Henry VI von der Größe und dem frühen Tod seines Vaters erdrückt.
Der kleine Henry hatte keine Zeit, seinen Vater überhaupt kennen zu lernen. Henry V starb, als sein Sohn noch ein Baby war. Es war die Zeit des 100jährigen Krieges und Henry V war laut Vertrag von Troyes der Nachfolger des französischen Königs Charles, dessen Sohn und Dauphin in diesem von der Thronfolge ausgeschlossen wurde. Besiegelt wurde der Vertrag durch die Eheschließung zwischen Henry V und Catherine de Valois.
Das Henry nicht war wie sein Vater, war nicht zu übersehen. Er hatte nicht diese Kämpfernatur, er war sehr fromm und gutmütig. Mit 8 Jahren wurde er zum König von England gekrönt, mit 10 Jahren nach Frankreich geschleppt um dort in Notre Dame in Paris zum König von Frankreich gekrönt zu werden. Nur wurden die französischen Könige traditionell in Reims gekrönt, dieses war für die Engländer aber nicht erreichbar, da es sich in den Händen des Dauphin Charles von Valois befand, der den Vertrag von Troyes verständlicherweise nicht anerkannte und um sein Geburtsrecht zu kämpfen gewillt war.
Da Henry noch nicht volljährig war, wurden ihm Regenten zur Seite gestellt, seine beiden Onkel John, Duke of Bedford und Humphrey, Duke of Gloucester, John für Frankreich und Humphrey in England, wenn John auf dem Kontinent war.
Mit 16 Jahren übernahm Henry die Regierung selbst, völlig unerfahren in kriegerischen Auseinandersetzungen aber dafür fest im Glauben. Nur leider lässt sich durch Beten kein Krieg gewinnen. Charles gab seine Ansprüche nicht auf, im Gegenteil, bestärkt durch Jeannne d’Arc und ihre Erfolge, gelang ihm ein Sieg nach dem anderen. Auch nach deren Tod wurde die Situation für die Engländer nicht besser.
Erste Friedensverhandlungen platzten, da die Engländer nicht über den Anspruch über den französischen Thron verhandeln wollten. Ein weiterer Vertrag sah die Eheschließung mit Margerite von Anjou vor, nur dieser war mit einer Geheimklausel versehen, den Verlust des Maine, eine Kröte die für die Engländer nur schwer zu schlucken war. Dies führte unweigerlich zu Konflikten am Hof zwischen Befürwortern und Gegnern des Vertrages und speziell dieser Klausel. In Folge dessen Gloucester durch die Hofpartei inhaftiert wurde und kurz darauf starb,
Für den armen Henry sollte es noch schlimmer kommen. Die Normandie ging verloren, in Kent kam es zu einem Bauernaufstand und sein Vertrauter, der Duke of Suffolk wurde vom Hof verbannt und starb unter ungeklärten Umständen. Ein bisschen viel für ein zartes Gemüt. Und am Hof erstarkte der Widerstand und eine Gruppe mächtiger Adeliger versuchte die Regierung zu übernehmen. Federführend war Edmund Beaufort, Duke of Somerset, aus dem Hause Lancaster.
Dieses Bestreben rief einen anderen auf den Plan, Richard Plantagenet, Duke of York, welcher aufgrund seiner Abstammung einen berechtigten Anspruch auf den Thron hatte. Sein Anspruch geht zurück auf Edmund Mortimer, Earl of March dessen Anspruch zwar größer war seinerzeit, als der von Henry IV, nur wurde Henry IV die Krone vom Parlament angetragen. Die Thronansprüche von Henry VI als auch von Richard Planatgenet sind somit vergleichbar.
Da Henry sich mehr und mehr als regierungsunfähig entwickelte, schaffte es Richard mit Hilfe der Familie Neville, einen Kronrat zu etablieren und sich selbst zum Lordprotektor.
Kurz nach der Geburt seins Sohnes Eduard fiel Henry in einen zustand geistiger Umnachtung. Das führte zu weiteren Spannungen der Häuser Lancaster und York. Als sich Henry’s Zustand kurzfristig besserte versuchte die Hofpartei um Somerset wieder die Oberhand zu gewinnen. In der 1. Schlacht von St. Albans fiel Somerset und es begannen 30 Jahre Bruderkrieg, die als Rosenkriege in die Geschichte eingegangen sind.
Diesen Rosenkriegen fiel fast der komplette Hochadel zum Opfer. Henry wurde abgesetzt und wieder auf den Thron gehoben, musste sich verstecken und wurde gefangen gesetzt. Alles sicherlich nicht gerade förderlich für seine Gesundheit.
Nach dem Tod des Duke of York, setzte sich sein Sohn Edward an seine Stelle und führte den Kampf erfolgreich fort. Während Henry und seine Frau im schottischen Exil verweilten und erneut Truppen sammelten, wurde Eduard zu Eduard IV gekrönt. Doch auch er verlor die Krone wieder musste ins Exil und Henry kam wieder auf den Thron. Wahrscheinlich wußte dieser nicht einmal wie ihm geschah. Eduard kehrte jedoch zurück und es kam zu einer letzten entscheidenden Schlacht bei der Eduard IV die Oberhand gewann und das Haus Lancaster vernichtend geschlagen wurde und mit dem Tod von Henry’s Sohnes endete.
Henry VI selbst geriet wieder in Gefangenschaft und wurde im Tower festgehalten. Ob ihm das alles so bewusst war sei dahingestellt.

Henry VI wurde am 21.05.14 im Gebet vor seinem Altar in seiner Kammer erschlagen. Vielleicht hätte man ihn in einem abgeschiedenen Kloster festsetzen können, das hätte ihm bestimmt gefallen, aber für Eduard war die Gefahr zu groß, dass sich unzufriedene Adelige seiner erinnern und versuchen unter Henry’s Banner ihn zu stürzen.

Letztendlich hat die Größe der Macht und des Amtes ihn erdrückt, wie es sein Großvater, laut Shakespeare, seinem Vater prophezeite.
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