Eine grausame Dynastie

Vorgeschichte

Sie haben manipuliert, gelogen und betrogen, sich bereichert, viel verloren und grausam gemordet -die Plantagenets. Englands grausame und doch so faszinierende Dynastie. Am Ende haben sie sich selbst ausgelöscht in einem der wohl blutigsten und längsten Bruderkriege die England heimgesucht haben. Über 300 Jahre stellten sie die Könige Englands, davon über 200 Jahre in direkter Linie, und bis zum Ende in der Nebenlinie der Lancaster und Yorks. Was für eine lange Zeit und doch brauchte es nur 30 Jahre bis kaum ein Plantagenet mehr übrig war, eine Dynastie hinweggefegt von den Rosenkriegen.

Aber der Reihe nach. Um den Aufstieg der Planagenets zu verstehen, müssen wir zunächst einen kurzen Ausflug in das England der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts unternehmen.

Henry I, der jüngste Sohn William des Eroberers und wahrscheinlich auch sein Klügster, hatte zwei eheliche Kinder. Mathilde, verheiratet mit Heinrich V. römisch-deutscher Kaiser, und William Aetheling. Mit Letzterem war die Erbfolge also gesichert. Doch wie so häufig, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Bereits 1116 huldigten die englischen Barone William und dieser regierte England, wenn sein Vater auf dem Festland war. Nach und nach installierte Henry William als seinen Nachfolger. Als designierter Herzog der Normandie musste William nun noch dem französischen König huldigen und Vater und Sohn machten sich auf den Weg nach Frankreich. Noch ahnte niemand die Katastrophe die bald folgen sollte. Im Gegenzug erkannte der französische König William als zukünftigen Herzog der Normandie und des Maine an.  Die Nachfolge war gesichert.

In Barfleur verabschiedeten sich Vater und Sohn, Henry segelte vor seinem Sohn los und William bestieg mit vielen jungen Adeligen das „White Ship“. Es heißt an Bord des White Ship wurde ordentlich gefeiert und auch die Besatzung mit einbezogen. Beim Auslaufen rammte das Schiff einen Felsen in der Hafenausfahrt. Es heißt, das Schiff sank so schnell, dass niemand überlebte, es sank mit Mann und Maus, Williams Leiche wurde nie gefunden. Die Folgen dieses Untergangs waren schwerwiegend, mündeten sie in eine Zeit der Anarchie.

William hatte zwar eine Frau, die mit seinem Vater zurück nach segelte, sich also nicht auf dem White Ship befand,  aber da die Ehe bisher kinderlos war und auch Mathilde, so hießt die Dame, nicht schwanger war, gab es keinen Nachfolger.

Tochter Mathilde war inzwischen verwitwet und kehrte 1126 nach England zurück. Wider Erwarten erklärte Henry nun seine Tochter zu seiner Nachfolgerin und übte solange Druck auf Barone und Kirche aus, bis diese zustimmten, zumal Mathilda das einzig legitime, noch lebende Kind Henrys war. Fortan führte sie in ihrem Siegel die Bezeichnung „Regina Romanum“ und nannte sich „Empress“, Kaiserin.

Unglücklicherweise stellte ihr Vater aus taktischen Gründen ihr einen Mann zur Seite, der nicht nur in ihren Augen noch ein Kind war und mit dem sie nicht viel gemein hatte. Um den Frieden in der Normandie zu wahren, verheiratete er sie mit dem Grafen von Anjou, genannt Geoffrey Plantagenet. Mathilda und Geoffrey konnten sich zwar nicht riechen, was sie aber nicht hinderte, die blutigste Dynastie Englands zu begründen. Allerdings konnten sie das zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen. Denn zunächst kam wieder einmal alles ganz anders.

Unmut machte über die Ehe machte sich in der Normandie breit, die normannischen Adeligen wurden über diese Ehe nicht informiert, handelte es sich doch hier um ihren nachweislichen Erzfeind, der hier die erklärte königliche Nachfolgerin ehelichte und außerdem eine Frau auf dem Thron geht eigentlich gar nicht.

Mathilde verließ nach nur einem Ehejahr bereits ihren Gatten, hier gab es wohl unüberbrückbare Differenzen und kehrte zu ihrem Vater nach Rouen und mit ihm nach England zurück. In England bestätigten die Barone erneut Mathildas Thronanspruch und schworen ihren Eid auf sie.

Mathilda kehrte zu ihrem Gatten zurück, sie zeugten sogar drei Kinder und irgendwie arrangierten sie sich. Nachdem Mathilda bei der Geburt ihres zweiten Sohnes fast gestorben wäre, schworen die Barone ihr ein drittes Mal ihren Treueeid. Der König wurde älter und familiäre Streitereien um Burgen, die zwar Teil der Mitgift waren, aber der König noch nicht abtreten wollte. Gier ist ein schlechter Ratgeber, Mathilda und Geoffrey versuchten sich nun daran, die Burgen mit Gewalt zu bekommen, was den alten König nicht nur verärgerte sondern angeblich auch ins frühe Grab gebracht haben soll. Was natürlich Unsinn ist, er starb wohl an einer Lebensmittelvergiftung.

Jedenfalls weilte Mathilda als der König starb im Anjou und nicht in England und ein weiterer Mitspieler um Englands Thron betrat die Bühne. Stephen de Blois, Neffe des verstorbenen Königs und ebenfalls ein Enkel des Eroberers, meinte nun aufgrund seiner seiner Abstammung ebenfalls ein Anrecht auf den Thron zu haben. Dieser Stephen eilte nun also auf schnellstem Weg nach England um sich die Krone auf Haupt zu setzen. Unterstützung fand er bei seinem Bruder Heinrich de Blois, dem Bischof Winchester und auch der Erzbischof von Canterbury ließ sich überzeugen, dass sein Treueeid auf Mathilda ja eigentlich unter Zwang entstand und somit keine Gültigkeit besäße und außerdem hätte der König aus Ärger über Mathilda sowie bereut sie zur Nachfolgerin ernannt zu haben.

Ebenfalls in die Karten spielte die nicht wegzuleugnende Tatsache, das Mathilda nun mal eine Frau war und der verbreiteten Meinung, das Frauen per se nicht zum herrschen geeignet seien. Der Unmut des normannischen Adels gegenüber dem alten Feind aus dem Anjou war auch nicht zu unterschätzen. Nicht zuletzt die Londoner Kaufmannschaft, die Dank großer Zugeständnisse Stephans ihren Segen gab. Ganz nach dem Prinzip, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern, fühlte man sich nicht mehr an den Eid gebunden. Stephan wurde gekrönt und Mathilda guckte in die Röhre.

Doch Mathilda was alles andere als gewillt sich ins Anjou zurück zu ziehen. Als sie in England landete hatte sie nicht gänzlich der Adel verlassen . Was nun folgte ging als Anarchie in die Geschichte ein und sollte 12 Jahre dauern

Fortsetzung folgt

Buchtipp: Rebecca Gable, Hiobs Brüder

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